Zweites Standjahr

Im Rahmen eines Trekkingurlaubs im nahegelegenen Pindos-Gebirge hatte ich die Möglichkeit, den Weinberg im April zu sehen. Inzwischen waren alle Augen ausgetrieben. Ich nutzte die Gelegenheit um die Seitentriebe am Stamm auszubrechen, sodass nur noch die beiden Kordons stehen blieben. Bei den im Februar komplett zurückgeschnittenen Reben wählte ich den stärksten Trieb aus um ihn an den Pflanzpfahl zu heften. Die anderen Triebe wurden ebenfalls ausgebrochen.

2. Standjahr April

2. Standjahr im April, zwei „Kordon-Triebe“ einer Agiorgitiko-Rebe

Die inzwischen schon vorhandenen Gescheine habe ich ebenfalls abgeschnitten, damit die Rebe sich im 2. Jahr noch voll auf die Ausbildung ihres Wurzelwerks konzentrieren kann.

An einigen Reben, welche bereits 2 starke Kordon-Triebe ausgebildet hatten, habe ich versucht die Kordons auf den Draht zu heften. Dabei musste ich leider feststellen, dass die jungen Triebe wirklich extrem leicht ausbrechen. Man muss sie also wirklich vorsichtig behandeln und am besten auf jegliches Biegen verzichten bis sie verholzt sind.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Rebschutz. Hierzu habe ich eine extra Kategorie angelegt, siehe hier.

Bis zum Herbst haben bis auf wenige Ausnahmen alle Rebstöcke die erforderliche Mindesthöhe erreicht, diejenigen welche schon im ersten Standjahr einen ausreichenden Stamm ausgebildet hatten, haben jeweils zwei kräftige Kordons ausgebildet.

Winterschnitt nach dem ersten Standjahr

Winterschnitt 1. Pflanzjahr

Winterschnitt nach dem 1. Pflanzjahr

Im Februar 2013 sollte dann der erste WInterschnitt erfolgen. Einige Reben hatten im ersten Pflanzjahr die notwendige 1,40m erreicht. Dabei muss der Stamm auch im oberen Bereich mindestens Bleistifdicke aufweisen. Alle übrigen Stöcke musste ich schweren Herzens wieder bis auf 2 Augen zurückschneiden. Nebenbei wurde das Unkraut untergegraben und die Erde rund um die Reben aufgelockert.

Rückschnitt auf 2 Augen nach dem 1. Pflanzjahr

Rückschnitt auf 2 Augen nach dem 1. Pflanzjahr

Die Reben, welche die Mindesthöhe erreicht hatten habe ich mittels einer Bindezange an den Pflanzpfahl angeheftet. Man sollte darauf achten, dass der Stamm möglichst gerade wächst. In diesem Zusammenhang kann ich die im deutschen Hobbybereich angebotenen Bindezangen nur eingeschränkt empfehlen. Das von mir erworbene Modell „Simes Bindezange Tapetool, ca. 45€“ weist eine eher mäßige Verarbeitungsqualität auf, häufig wird das Band nur unvollständig von der Metallklammer erfasst oder es wird erst gar keine

Klammer ausgebracht.  Ebenso klemmt das Gerät häufig sodass die Handhabung insgesamt eher mühselig ist. Vielleicht muss man hier ein wenig tiefer in die Tasche greifen…

Erstes Standjahr

Im ersten Jahr geht es vor allem darum, dass die Rebe gut anwächst und ein kräftiges Wurzelwerk ausbildet. Nebenbei soll sie aber auch eine ausreichend hohen Trieb entwickeln, damit im Folgejahr die Hochkordons erzogen werden können. Dabei gibt es verschiedene Gesichtspunkte was die Erziehung der Rebe angeht. Im Grunde gilt: Je größer die Pflanze über der Erde desto größer ist auch das Wurzelwerk. Man muss sich nun entscheiden, ob man nur einen Trieb von den 2-3 Trieben stehen lässt oder ob man die Pflanze im ersten Jahr mehr oder weniger frei wachsen lässt. Bei der Ein-Trieb-Methode ist das entstehende Wurzelwerk geringer und die Pflanze wird im Folgejahr weniger Kraft haben. Dafür wird wahrscheinlich eine ausreichende Höhe erreicht.

Ich habe mich entschieden, im ersten Jahr alle Triebe stehen zu lassen und nur den kräftigsten am Pflanzpfahl hochzubinden. Insgesamt erreichten nur 26 Reben die notwendige Höhe, die meisten kamen nur bis ca 100cm. Auffällig war, dass die Reben auf der 1103P-Unterlage alle ein kräftigeres Wachstum aufwiesen. Nach einer kurzen Recherche fand ich heraus, dass für die 110R-Unterlagen im ersten Standjahr ein schwaches Wachstum typisch sei und erst ab dem zweiten Standjahr deutlich zunehme.

Bei den Pflanzen, welche die Zielhöhe von 1,40m deutlich überschritten kappte ich im Verlauf der Wachtumsperiode die Triebspitzen. Zwei von den Limnio-Stöcken entwickelten sogar eine kleine Traube, die im Herbst sehr süße und geschmacksintensive Beeren hatte.

Pflanzung

Ende Februar war es dann endlich soweit. Ich hatte eine Rebschule in der Nähe von Korinth gefunden, welche die gewünschten Sorten direkt ab Werk verkauft und die notwendige Anzahl an Reben vorbestellt.

  • 80 Reben Agiorgitiko auf Unterlage 110R
  • 25 Reben Limnio auf 1103P
  • Diverse Tafeltrauben (hauptsächlich Thompson Seedless) auf 1103P
Frisch gepflanzte Reben mit Drahtramen

Frisch gepflanzte Reben mit Drahtramen

Mehr oder weniger unkompliziert holte ich die Reben dann auf dem Weg von Athen nach Epirus ab. 1,20€ pro Rebe waren insgesamt auch nicht besonders teuer. Da es einstweilen schon Abend geworden war, stellte ich die Reben in Eimer mit Wasser, damit sie nicht austrocknen.

Am Folgetag konnte ich dann mit der Pflanzung beginnen. Um schöne gerade Reihen zustande zu bringen wurden zunächst alles ausgemessen und für jede Reihe eine Schnur gespannt und die richtigen Abstände markiert. Dann musste für jede Rebe ein Loch von ca. 50-60cm Tiefe und 40cm Durchmesser gegraben werden. Der lehmig-steinige Boden verbietet allerdings den Einsatz eines Spatens, man kommt hier eher mit Spitzhacke, 2m-Brechstange und Schaufel voran. Also pro Loch ca. 20min graben.

Das Wurzelwerk der Reben wurde dann nochmal ein kleines bisschen angeschnitten und die Reben möglichst senkrecht im Loch platziert. Das Loch wurde ausführlich gewässert und schließlich wieder locker zugeschüttet, sodass am Schluss nur noch der mit dem Schutzwachs überzogene Bereich aus der Erde schaute. Dann wurden die Pflanzpfähle unmittelbar neben der Rebe in den Boden getrieben und schließlich die Reihenendpfähle aufgestellt und der Drahtrahmen angebracht. Alles in allem eine Arbeit von mehreren Tagen.

Pflanzplanung

Im kommerziellen Weinbau richten sich die Abstände zwischen den einzelnen Reihen vor allem nach der Notwendigkeit, zwischen den Reihen mit den Maschinen durchfahren zu können. Da ich meinen Weinberg ausschließlich manuell bearbeiten möchte, reicht es, wenn eine Person bequem zwischen den Reihen durchgehen kann. Natürlich muss noch genug Platz bleiben, damit die Sonne auch das Blattwerk von den hinten stehenden Reben erreicht. Ich habe ich daher mich für einen Reihenabstand von 1,30m entschieden, nicht zuletzt weil die mir zur Verfügung stehenden Terassen genau so viel Platz bieten.

Der Stockabstand sollte unter Berücksichtigung von verschiedenen Faktoren gewählt werden. Zum einen muss die Wuchskraft der Rebe, der Rebunterlage und des Standortes Beachtung finden: Bei niedriger Wuchskraft sollte ggf. ein geringerer Stockabstand gewählt werden, bei starkwüchsigen Reben ein größerer. Zum anderen stellt sich die Frage nach der Stockbelastung: Bei größerem Stockabstand ist die Anzahl der angeschnittenen Augen und damit auch die Anzahl der Reben pro Stock hoch. Die kann sich negativ auf die Qualität der Trauben auswirken. Ein geringerer Stockabstand führt wohl dazu, dass eine größere Wurzelkonkurrenz zwischen den einzelnen Reben entsteht und die vertikale Ausbreitung des Wurzelwerks begünstigt wird. Dies wirkt sich positiv auf die Wasser- und Nährstoffversorgung aus.

Da ich in erster Linie hochqualitative Trauben ernten möchte und es mir auf 50kg mehr oder weniger nich ankommt, habe ich mich für einen relativ geringen Stockabstand von 1,30m entschieden.Das heißt, dass jeder Kordon ca. 65cm lang ist und damit ca. 6-7 Augen pro Kordon und, da jede Rebe über zwei Kordons verfügt, 12-14 Augen pro Rebe angeschnitten werden können.

Der Drahtrahmen

Der Drahtrahmen ist für den Hobbywinzer der aufwendigste und kostenintensivste Teil des Weinberges. Daher habe ich mich für eine möglichst einfache Version entschieden. Es wird lediglich ein Draht in Draht in 1,40m Höhe gespannt. Die Reihenenden werden im optimalerweise durch sog. Weinbergspfähle gebildet, die es z. B. bei weinbau24.de zu kaufen gibt. Auch innerhalb der Reihe habe ich alle 5m einen Pfahl gesetzt um den Draht zu entlasten. An jeder Pflanze ist zusätzlich ein Pflanzpfahl aus geriffeltem Stahl (10-12mm) zum hochbinden in den Boden gebracht.

Da es in Griechenland weder solche Weinbergspfähle noch Pflanzpfähle gab, musste ich mich mit Ersatz zufrieden geben. Anstelle der Weinbergspfähle habe ich 2m lange Rohre aus verzinktem Stahl genommen, 1,5 Zoll Durchmesser, 2mm Wandstärke. Diese musste ich zur Erhöhung der Stabilität einbetonieren. Anstelle der Pflanzpfähle habe ich Bewehrungseisen genommen, welche man sonst für Stahlbeton verwendet. Da es sich hierbei um nicht rostfreien Stahl handelt, musste ich alle Pflanzpfähle lackieren.

Zum Spannen des Drahtes habe ich mich für das Gripple-System entschieden. Dieses ist zwar relativ teuer aber meiner Meinung nach sein Geld Wert.

Reberziehung

Es gibt unzählige Formen, die man einem Weinstock geben kann. Jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und bei Wahl der Reberziehung müssen die Anforderungen und Gegebenheiten des Weinbergs berücksichtigt werden. Natürlich sind die moderne Methoden darauf ausgelegt, besonders einfach maschinell bearbeitet zur werden.

So viele verschiedene Reberziehungssysteme es gibt so schwierig war es auch, sich einen Überblick zu verschaffen. Ich habe mich lezten Endes für die sog. Umkehrerziehung entschieden. Dabei wird der Stock auf ca. 1,40m aufgebaut und in dieser Höhe werden dann zu jeder Seite ein Kordon gebildet. An den Kordons werden im Abstand von ca. einer Handbreite Zapfen mit jeweils 2 Augen angeschnitten, das Fruchtholz hängt dann einfach herunter.

Hochkordon-Erziehung

Meine Umkehrerziehung: Niedrig gehaltene Hochkordons

Diese Methode hat in meinen Augen diverse Vorteile für meinen Weinberg.

  • Es erfordert im Vergleich zu anderen Spaliersystemen, bei denen die Fruchthölzer im Drahtrahmen hochwachsen viel weniger Pflege. Die Zapfen werden im Winter angeschnitten und den Rest des Jahres ist ggf. höchstens noch ein Sommerschnitt notwendig. Dies ist für mich insofern wichtig, als dass ich in Deutschland wohne und nicht ständig vor Ort bin.
  • Das Drahtgerüst ist mit einem Biegedraht in 1,40m Höhe sehr einfach und kostengünstig gehalten.
  • Der Ertrag bei diesem System liegt im guten Mittelfeld.
Buscherziehung

Gobelet- oder Buscherziehung © 2009 Andrew Teubes

Alternativ wäre auch eine sehr traditionelle Methode, die sog. Gobelet- oder Buscherziehung in Frage gekommen. Hierbei wird der Weinstock zu einer Art Bäumchen erzogen. Diese Erziehung habe ich in Spanien sehr häufig gesehen. Ein Vorteil sind sicherlich die geringen Kosten, es ist ja kein Drahtrahmen erforderlich. Leider liefert laut meinen Nachforschungen die Buscherziehung sehr geringe Erträge, sodass ich mich gegen diese Form entschieden habe.

 

Die Rebunterlage

Wein kann man ganz einfach Pflanzen, indem man einen Stock abschneidet und ihn in die Erde steckt. So wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch in ganz Europa Wein gepflanzt. Durch die Einschleppung der Reblaus durch Rebstöcke von der Ostküste Nordamerikas gingen in Europa während der „Reblauskatastrophe“ große Teile der Weinbaugebiete zugrunde, da die europäischen Sorten im Gegensatz zu den amerikanischen Sorten nicht beständig gegen diesen Schädling sind, der die Wurzeln der Reben befällt.

Pfropfreben mit P1103 Rebunterlagen

Daher verwendet man heutzutage fast ausschließlich sog. Pfropfreben. Das sind Wurzeln von amerikanischen (=reblausresistenten) Weinstöcken, welche mit europäischen Sorten veredelt sind. Diese Wurzeln, auf die das Edelholz aufgepfropft wird, nennt man Rebunterlage.

Die Informationen zu verfügbaren Rebunterlagen sind eher spärlich gesäht, am aufschlussreichsten war das zuvor erwähnte Buch „Der Winzer Band 1. Weinbau“. Ich musste allerdings feststellen, dass die in Griechenland verwendeten Unterlagen ganz andere sind als in Deutschland.

Um eine geeignete Unterlage auszuwählen, ist es von Vorteil, eine Bodenanalyse zu machen. Je nach Kalkgehalt, Feuchtigkeit des Bodens etc. wählt man dann die geeignete Unterlage aus. Mangels der Möglichkeit einer Bodenanalyse habe ich mich dann für eine Unterlage mit relativ hoher Kalkbeständigkeit (19%) und sehr hoher Trockentoleranz entschieden (P1103).

Die Sorte

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich eine autochtone Sorte anpflanzen möchte. Zum einen, weil ich mir eine Flasche Merlot oder Syrah für 2,50€ in jedem Supermarkt kaufen kann, zum anderen weil ich gerne eine Beitrag zum Erhalt der Sortenvielfalt leisten möchte.

Griechische Sorten sind in Deutschland weitestgehend unbekannt. Einen guten Überblick über die verfügbaren Reborten und ihre Eigenschaften gibt es hier.

Zu meiner Überraschung habe ich festgestellt, dass es tatsächlich sehr viele griechische Sorten gibt, von denen ich fast keine kannte. Also habe ich mir zunächst die Sorten ausgesucht, welche von der Beschreibung her zu meinem Weingeschmack passen: Kräftige Rotweine, die aber immer noch etwas Fruchtigkeit besitzen. Ich habe dann aus diversen Onlineshops Weine mit diesen Sorten bestellt und sie parallel verkostet. In die engere Wahl waren gekommen:

  • Agiorgitiko: Die Sorte wurde ursprünglich nur in Nemea und Umgebung angebaut
  • Limnio: Eine Sorte die vermutlich ursprünglich von der Insel Limnos stammt und von Hesiod (ca. 700 v. Chr) und Aristoteles (384–322 v. Chr.) als „Lemnia“ oder „Limnia“ erwähnt wurde.
  • Mavroudi: Eine dunkle und tanninreiche Sorte, die in ganz Griechenland Verbreitung gefunden hat.

Ich habe mich dann aufgrund der Verkostung für zwei Sorten entschieden, nämlich Agiorgitiko und Limnio. Die Mischung dieser beiden Sorten habe ich bisher noch nirgendwo gefunden, ich bin also sehr gespannt…

Der zweite Anlauf – Informationsquellen

Nachdem meine ersten Versuch ein ziemlich enttäuschendes Ergebnis gebracht haben, wollte ich mich im zweiten Anlauf richtig vorbereiten.

Zunächst habe ich versucht mir Informationen über Weinbau im Internet zusammenzusuchen. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, sich als Laie einen Überblick zu verschaffen. Weinbau wird in Deutschland zumeist kommerziell betrieben, ich habe nur wenige Seiten mit Informationen für den Hobbybereich gefunden.

Inspirierend war zunächst eine Seite, auf der mit vielen Bildern die Neuanlage eines Merlot-Feldes beschrieben wird. Es ist zwar alles nur sehr grob erklärt, es hat mir aber geholfen, einen Überblick über die nötigen Schritte bis zu ersten Ernte zu gewinnen.

Bei der Übersicht über verschiedene Reberziehungssysteme und über Rebschnittechnik hat mir natürlich die Wikipedia geholfen. Interessant ist aber auch die Seite fassadengruen.de. Hier werden verschiedene Erziehungsformen sehr detailliert in einzelschritten beschrieben.

Da ich diesmal keine Kosten und Mühen scheuen wollte, habe ich mir auch ein paar Bücher zugelegt. Erwähnenswert ist allemal „Der Winzer Band 1. Weinbau“ von Edgar Müller, erschienen im Ulmer Verlag. Einen ganz kurzen Einblick gibt auch „Hobby-Winzer“ von Gerd Ulrich, ebenfalls erschienen im Ulmer Verlag.

Um den Rebschnitt zu erlernen gibt es sehr aufschlussreiche Videos bei Youtube für Bogenschnitt und Zapfenschnitt.

Es gibt weiterhin ein Weinbauforum, welches mir persönlich allerdings wenig geholfen hat.